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Veranstaltung

1. Gemeinsame Qualitätskonferenz nach Artikel 8 KKR-StV am 12. Dezember 2018 im Haus der Brandenburgischen Ärzteschaft in Potsdam

Am 12. Dezember 2018 fand die 1. Gemeinsame Qualitätskonferenz des Klinischen Krebsregisters für Brandenburg und Berlin im Haus der Brandenburgischen Ärzteschaft in Potsdam statt. Die Veranstaltung war mit etwa hundert Teilnehmern und Teilnehmerinnen sehr gut besucht und stand unter der Schirmherrschaft beider Länder.

Ziel und Sinn eines klinischen Krebsregisters ist nicht nur eine weitgehend vollzählige und vollständige Datenerhebung, sondern auch die schnellstmögliche Rückkopplung an die meldenden Ärztinnen und Ärzte, um Diagnostik und Therapie bei Krebserkrankungen zu optimieren. Neben anderen Nutzungsmöglichkeiten z.B. für die Zertifizierung von Organzentren werden die Daten nach bestimmten für die Versorgung von Tumorpatientinnen und Patienten relevanten Fragestellungen im klinischen Krebsregister ausgewertet und innerhalb von tumorspezifischen Arbeits- bzw. Projektgruppen diskutiert. Ergebnisse dazu konnten in dieser ersten Qualitätskonferenz eindrucksvoll gezeigt werden.

Dr. Hanjo Pohle, Vizepräsident der Landesärztekammer Brandenburg und Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin
Dr. Hanjo Pohle, Vizepräsident der Landesärztekammer Brandenburg, Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

Unter Vorsitz von Herrn Dr. Pohle, Vizepräsident der Landesärztekammer Brandenburg und Herrn Dr. Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin fand die erste Qualitätskonferenz im Haus der Brandenburgischen Ärzteschaft statt.

Herr Thomas Barta, Leiter Abteilung 4 Gesundheit, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
Herr Thomas Barta, Leiter Abteilung 4 Gesundheit, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Einleitend überbrachte Herr Thomas Barta, Abteilungsleiter Gesundheit des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg als Vertreter der Fachaufsicht des Registers die besten Grüße der Ministerin. Er wies auf die lange Tradition der Qualitätskonferenzen im Land Brandenburg hin und betonte, dass es das Anliegen beider Länder und selbstverständlich auch des Registers sei, eine Qualitätskonferenz zu etablieren, die ihren Namen verdient. Die Konferenz solle Datenauswertungen präsentieren, die für Ärztinnen und Ärzte und letztendlich auch für Patientinnen und Patienten nutzbar sind. Sie sollte die Meldenden motivieren, Daten in hoher Qualität an das Register zu melden, weil sie einen Sinn darin sehen.

Prof. Dr. Dr. Alfred Holzgreve, Vorstand Tumorzentrum Berlin

Nachfolgend wies der Vorsitzende des Tumorzentrums Berlin Herr Prof. Holzgreve auf die doch schon beachtlichen Erfolge des Registers hin. Trotz aller Schwierigkeiten, die u.a. im Zusammenhang mit Softwareprogrammierungen auf Melder- und Registerseite bestehen, ist es seit 01. Juli 2016 gelungen eine Struktur aufzubauen, die für die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg die Daten aller dort behandelten Tumorpatientinnen und Patienten verlaufsbegleitend erfasst und auswertet. Er berichtete, dass er in der Vergangenheit Gelegenheit hatte an der Brandenburger Qualitätskonferenz teilzunehmen. Er drückte nun seine Freude darüber aus, dass mit dem gemeinsamen Register eine vergleichbare Institution für zwei Länder ihre Arbeit aufnimmt, die einen datengestützten fachlichen Diskurs zu Fragen der onkologischen Versorgung ermöglicht.

Nach einem kurzen historischen Abriss erläuterte Herr Dr. Buchali, Vorsitzender des Tumorzentrums Land Brandenburg die Aufgaben der Qualitätskonferenz und warb für aktive Mitgestaltung. An die Politik adressierte er mehrere Wünsche aus der Praxis: zum einen den Wunsch nach größerer Flexibilität des Basisdatensatzes, um aktuelle Entwicklungen in der Medizin besser abbilden zu können, zum anderen die Möglichkeit der Erhebung von validen Daten zum Follow up von Tumorpatientinnen und -patienten durch das Register, was derzeit nur eingeschränkt möglich ist und verbessert werden sollte. Er betonte, dass das Tumorzentrum Land Brandenburg großes Interesse daran hat, die Daten in weiteren tumorspezifische Arbeitsgruppen auszuwerten und zu diskutieren.

Frau Dr. Tillack, Geschäftsführerin des klinischen Krebsregisters

Frau Dr. Tillack, Geschäftsführerin des klinischen Krebsregisters, informierte kurz zum Stand des Um- und Aufbaus sowie zur Datenqualität und warb um gegenseitiges Verständnis. Sie führte aus, dass der bundesweite Aufbau klinischer Krebsregister ein anspruchsvolles und lange Zeit unterschätztes, aber auch in der Medizin einmaliges Projekt ist. Das klinische Krebsregister für Brandenburg und Berlin befinde sich auf einem guten Weg und gehört zu den fünf Registern bundesweit, die nahezu vollständig förderfähig sind.

Dr. Maren Pflüger, Leiterin Landesauswertungsstelle, Klinisches Krebsregister für Brandenburg und Berlin
Dr. Maren Pflüger, Leiterin Landesauswertungsstelle, Klinisches Krebsregister für Brandenburg und Berlin

Das Register legt jährlich zum Jahresende einen Jahresbericht der Landesauswertungsstelle vor, welcher von der Leiterin Frau Dr. Pflüger präsentiert wurde. Der 2. Jahresbericht, der zum Anfang des Jahres 2019 auch unter www.kkrbb.de zu finden sein wird, enthält neben den Leistungsdaten des Registers u.a. auch aggregierte tumorspezifische Auswertungen für 19 Entitäten, getrennt für Brandenburg und Berlin, wohnort- und behandlungsortbezogen für das Diagnosejahr 2017 (Datenstand 17. August 2018). Frau Dr. Pflüger zeigte u.a. epidemiologische Kennzahlen bezogen auf Behandlungsfälle der Wohnbevölkerung von Brandenburg und Berlin, wie z.B. rohe und standardisierte Neuerkrankungsraten sowie absolute und relative Überlebensraten nach Geschlecht und Tumorstadium. Der Bericht enthält aber auch Auswertungen zur onkologischen Versorgung bezogen auf alle Behandlungsfälle von Brandenburg und Berlin wie beispielsweise zur Primärtherapie, Operation, Strahlentherapie und systemischen Therapie.

Danach präsentierten insgesamt vier tumorspezifische Arbeitsgruppen die Ergebnisse von Auswertungsanfragen an das Register. Die Brandenburger Arbeitsgruppe Brustkrebs, vertreten durch Frau PD Dr. Richter-Ehrenstein und Herrn Dr. Koswig, konnte anhand der Registerdaten nachweisen, dass Leitlinienadhärenz bei der Strahlentherapie aber auch bei der antihormonellen Therapie von in Brandenburg behandelten Brustkrebspatientinnen gegeben ist. Die Registerdaten sind somit aus Sicht der Arbeitsgruppe ein gutes Qualitätswerkzeug. Aufgrund der Tatsache, dass es nicht zulässig ist, über den gesetzlich festgelegten Basisdatensatz hinausgehende Daten zu erfassen, können aber nicht alle wichtigen Faktoren, die Einfluss auf die Therapie haben beurteilt werden. Auch hier wurde die Politik gebeten, sich für eine Flexibilisierung des Basisdatensatzes einzusetzen.

Frau Dr. Krocker, Leiterin der Projektgruppe Brustkrebs des Tumorzentrums Berlin zeigte, dass erste Datenauswertungen zur Überprüfung der Umsetzung von Leitlinien in der Versorgung auch für Brustkrebspatient*innen, die in Berlin behandelt wurden möglich sind.

>Prof. Dr. René Mantke, Vorsitzender der Arbeitsgruppe gastrointestinale Tumoren Brandenburg
Prof. Dr. René Mantke, Vorsitzender der Arbeitsgruppe gastrointestinale Tumoren Brandenburg,

Herr Prof. Mantke, Leiter der Brandenburger Arbeitsgruppe gastrointestinale Tumoren, präsentierte Datenauswertungen zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms und verglich dabei die Behandlungsqualität zwischen Kliniken mit einem Darmzentrum, Kliniken ohne Darmzentrum und mehr als 50 Operationen, Kliniken, die zwischen 20 und 49 Operationen durchführen und Kliniken, die nur 1 bis 19 Operationen durchführen. Die Ergebnisse wurden kontrovers und intensiv diskutiert und werden im Jahresbericht der Landesauswertungsstelle veröffentlicht. Generell konnte dabei gezeigt werden, dass in allen Klinikkategorien gute bis sehr gute Ergebnisse bei der Behandlung von Darmkrebs erreicht werden, wenn man sich an den Kriterien der DKG hinsichtlich der Zertifizierungen für Darmkrebszentren orientiert. Die aktuell vorliegenden Auswertungen aus der Versorgungspraxis unterstützen Forderungen nach Mindestmengen oder Zentralsierungen im Bereich der Darmkrebschirurgie nicht.

Der Beitrag der Berliner Projektgruppe gastrointestinale Tumoren, vorgestellt von Herrn PD Dr. Daum, konnte zeigen, dass zwar aufgrund der kurzen Laufzeit des Registers für den Berliner Teil (Start mit Diagnosedatum 01. Juli 2016) noch keine Überlebenszeitberechnungen möglich sind, aber durchaus schon Aussagen zur Umsetzung adjuvanter Therapien in der Versorgung von Tumorpatient*innen gemacht werden können. Alle Referentinnen und Referenten riefen ihre ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf, ihrer Meldepflicht nachzukommen, da das Register nur so gut sein kann wie die gemeldeten Daten.

Durch die lebhafte Diskussion der vorgestellten Datenauswertungen war die 1. Gemeinsame Qualitätskonferenz ein großer Erfolg und man kann gespannt auf die nächste Konferenz blicken, welche am 4. Dezember 2019 in der Berliner Ärztekammer stattfinden wird.